Was sind eigentlich
Web 2.0 Technologien?

Die Frage ist durchaus berechtigt. Das Schlagwort "Web 2.0" ist in aller Munde.
Aber was sich denn nun hinter diesem Modewort verbirgt, weiß man gar nicht so genau.

Früher waren die Texte und Grafiken auf Webseiten noch relativ statisch. Unternehmen haben sich einmal Ihren Internetauftritt von einem Web-Experten erstellen lassen und haben danach nichts mehr daran geändert. Sollten einzelne Texte oder Grafiken ausgetauscht werden, haben sie ihren Web-Experten beauftragt.

Mittlerweile ist es immer wichtiger geworden, den Kunden und Interessenten mehr auf der Unternehmenswebseite zu bieten. So sollen Informationen schneller aktualisiert werden, am besten diese in den Vordergrund gestellt werden, die den Besucher der Seite am meisten interessieren, so dass er sich wohl fühlt und gern wieder kommt. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, soll der Besucher möglichst viel an der Webseite mit beeinflussen und  mitgestalten können.

All das verbirgt sich hinter dem Schlagwort „Web 2.0“.
Mit verschiedenen Instrumenten der neuen Technologie können die Benutzer selbst Inhalte erstellen, bearbeiten und verteilen. Die Benutzer sind also interaktiv und kollaborativ tätig. Das heißt, sie  arbeiten zusammen an der Webseite und tauschen Informationen, Gedanken, Meinungen und Erfahrungen miteinander aus. Und nach dem Anmelden auf solchen Webseiten hat der Benutzer sein persönliches Profil mit allen wichtigen Informationen sofort präsent. Die Seiten passen sich also dynamisch an den Benutzer und seine Vorlieben an.

Einige Web 2.0 Instrumente:

  • Wikis
    Online-Wissensdatenbanken, deren Inhalte jederzeit bearbeitet werden können;
  • Webshops
    internationale Verkaufsportale, die Produktbeschreibungen und einen Warenkorb enthalten;
  • Weblogs – oder kurz Blogs
    sogenannte Online-Tagebücher, eine Liste von Einträgen ähnlich einem Logbuch oder Journal;
  • Foren
    so wie dieses Forum, in dem Sie Ihre Fragen loswerden können und Antworten erhalten;
  • Soziale Netzwerke – oder Communities
    Online-Gemeinschaften, die über Nutzer-Profile gemeinsame Interessen aktivieren lassen;
  • Podcasts und Webcasts
    Vorlesungen, Seminare und Workshops, die durch das Internet keine räumlichen Einschränkungen haben, Interaktion ermöglichen und als Aufzeichnung ständig verfügbar sind;
  • Foto- und Videoportale
    Anschauungsmaterial, das über das Internet wann, wo und so oft wie gewünscht zu sehen ist.

Tim O'Reilly prägte im Jahr 2005 den richtungweisenden Begriff Web 2.0. Dabei beschrieb er die Richtung des sich im Wandel befindlichen Internets.

Das Web als Plattform

Web 2.0 hat keine genauen Begrenzungen. Vielmehr ist es eine Ansammlung von Prinzipien und Praktiken mit dem Ziel, Benutzern eine möglichst angenehme und umfassende Erfahrung im Web zu bieten. Heute gibt es zahllose Netzwerke, wie Flickr, del.icio.us, Amazon, Ebay, und viele andere.

Doch was unterscheidet die Erfolgreichen von den Erfolglosen? Warum ist Yahoo, einer der Pioniere des Internets, so glorreich in der Versenkung verschwunden, während Google erfolgreich wurde? Warum kennt niemand BarnesAndNoble, obwohl jeder Amazon kennt?

Betrachten wir beispielhaft "BarnesAndNoble vs. Amazon":
Beide bieten die gleichen Produkte an. Beide nutzen die gleichen Produkt-Bilder und Produkt-Informationen, die sie von ihren Lieferanten erhalten. Warum sind sie aber so unterschiedlich erfolgreich?

Die Antwort ist ebenso einfach wie erstaunlich: Amazon nutzte bereits sehr früh das Engagement der Benutzer; ja man machte es zu einer regelrechten Wissenschaft. Man konnte schon bald Bewertungen der Artikel abgeben, Rezensionen schreiben, Wunschlisten anlegen und mit anderen Nutzern teilen, und viele andere Aktionen unternehmen, die einerseits Spaß bereiten und andererseits den Kunden intensiver an die eigene Website binden.

Im Gegensatz dazu versuchte BarnesAndNoble lange Jahre auf ein bereits totes Pferd zu setzen: Bei der Suche nach Produkten kam oft erst eine lange Liste firmeneigener und gesponsorter Produkte, die den Nutzer nicht besonders interessierten. Bei Amazon findet man bei einer Suche sofort die "beliebtesten Produkte", wobei die Benutzer entscheiden, was beliebt ist - nicht das Unternehmen.

Web 2.0 ist kollektive Intelligenz

Oder schauen wir uns den unglaublichen Erfolg von Wikipedia an: Erst vor wenigen Jahren gegründet und ohne Kosten für die Benutzer (Leser und Autoren) hat es heute bereits fast 2 Millionen Einträge und ist längst bekannter als die Encyclopedia Britannica. Der umwerfende Erfolg basiert auf einer einfachen Regel: Benutzer können die Inhalte selbst gestalten. Kein Unternehmen stört mit seiner Werbung oder seinen Restriktionen.

Facebook, Flickr, StudiVZ, Twitter - sie alle basieren darauf, dass Inhalte GEMEINSAM und auf gleicher Ebene gestaltet werden.

Es ist heute zur Binsenweisheit geworden, dass die großen Erfolgsstories im Internet ihre Produkte nicht bewerben --- Die Werbung wird allein durch die Nutzer realisiert. Mundpropaganda und "virales Marketing" sind die Kernelemente des Web 2.0.

Software überwindet Gerätegrenzen

iTunes stellt hier ein sehr gutes Beispiel dar. Diese Anwendung schafft einen nahtlosen Übergang vom mobilen Endgerät zu einem gewaltigen Internet. Viele andere Anwendungen und Geräte folgten, so etwa die PlayStation, die als Unterhaltungszentrum für Musik, Spiele, Filme und Internet einen fließenden und für den Nutzer völlig transparenten Übergang bieten.

Auch Microsoft hat gelernt und bietet beispielsweise einen Home Mediacenter Server an, der den klassischen PC verdrängt, weil er als Fernseher, Foto-Sammlung, Video-Sammlung, Musik-Sammlung, Spiele-Sammlung, Internetzugang und Kommunikationsplattform (Chat, Email, Foren, Blogs) alle technischen Anforderungen in einem Gerät vereint, was früher mit zahllosen Fernbedienungen beherrscht werden musste.

Spaß und positive Erfahrungen über alles

In den vergangenen Jahren wurden die Programmiersprachen um zahlreiche Funktionen erweitert, um statische Webseiten durch dynamische Inhalte aufzupeppen und interessanter zu gestalten. Heute schaut kaum ein Benutzer zwei Mal auf die gleiche Seite, wenn er sich dort nicht beteiligen darf. Gästebücher, die frühe Form des Web 2.0 sind dabei längst uninteressant und langweilig geworden.

Um all den Bedürfnissen heutiger Nutzeranforderungen gerecht werden zu können, bedarf es umfangreicher Möglichkeiten. Und die gibt es durchaus:

Statische Webseiten (Web 1.0) wurden zu dynamischen Webseiten (Web 2.0), die Inhalte asynchron und transparent nachladen, benutzerspezifisch aufbereiten und Interaktivität ermöglichen.

In der derzeit höchsten Ausbaustufe verwendet Software das Internet so transparent, dass Benutzer gar nicht mehr merken, ob sie gerade im Internet oder auf ihrem eigenen lokalen Rechner arbeiten. So wird es möglich, Anwendungen dann und dort zu nutzen, wann und wo sie gebraucht werden.

Software zur Miete

Der nächste logische Schritt ist Software, die man nicht mehr im Karton im Laden kauft, sondern Software, die man dann mietet, wenn man sie braucht.

All das bietet zahllose Chancen und Gelegenheiten für Unternehmen, sich und ihre Produkte optimal zu präsentieren, wenn sie das Potenzial, das Web 2.0 ihnen bietet, ausschöpfen - ohne allerdings zu übertrieben.